Aus dem Tiqua-Alltag

Aus dem TIQUA-Alltag

Veröffentlicht am 1 Juli 2013

Diese Frauen (und Männer) blieben vor einem tödlichen Schritt, für den es kein Zurück gibt, bewahrt. Sie fanden den Weg zur Beratung bei uns. Wir können bei weitem nicht alle in jüngster Zeit beratenen Fälle beschreiben, aber ein paar interessante harte Nüsse haben wir hier zusammengestellt. Die Schilderungen skizzieren die Situation, in der die Frauen/Paare standen, als sie zu uns in die Beratung kamen. In langen Stunden harten Ringens konnten wir ihnen helfen, JA zu ihren Babys zu sagen!

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Leonie, 34 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, 12. Schwangerschafts-Woche
Sie hat sich deshalb so spät um den Abtreibungstermin ihres 3. Kindes bemüht, weil die vorangegangenen Wochen ihr Leben auf den Kopf stellten: Ihr Mann erklärte ihr, dass er homosexuell sei und nun endlich sein „wahres Ich“ leben, sich scheiden lassen und mit dem neuen Partner von vorne beginnen will.

Zoe, 37 Jahre, ledig, 10. Schwangerschafts-Woche
Ihre Eltern sind als Christen aus Somalia hierher geflüchtet, sie ist in Deutschland geboren, hat eine Ausbildung als Friseuse bestanden. Ihre Eltern haben böse reagiert, weil sie sich in einen Deutschen verliebt hat – und tatsächlich: Mirko „hat keinen Bock auf Vater, Mutter, Kind“ und ist seit dem Schwangerschaftstest von der Bildfläche verschwunden. Zoe selbst, ihr Bruder, ihre ganze Familie sind „dankbar“ dafür, dass Abtreibung in Deutschland möglich ist und die Kosten aus Steuergeldern übernommen werden.

Boris, 31 Jahre, ledig
Vor ca. 6 Jahren hat er seine damalige Ehefrau zur Abtreibung gefahren – und bereut es „seither jeden Tag“. Die Ehe ging in die Brüche. Boris versteht nun nicht, dass seine Freundin Jule „nicht verstehen will, dass sie nicht das gemeinsame Kind abtreiben darf, weil das Leben danach nicht mehr dasselbe ist wie vorher!“ Jule sagt: „Ich habe ebenfalls schon eine Scheidung hinter mir und wenn ich eines gelernt habe, dann, dass ich mich als Frau nicht abhängig von einem Mann machen darf. Jetzt bin ich gerade 1 Jahr nach meinem Studium in meiner Arbeitsstelle und die möchte ich nicht verlieren!“

Christa, 33 Jahre, verheiratet, 9. Schwangerschafts-Woche
Sie ist Programmiererin und findet es schön, dass sie dadurch immer mal wieder zu einem anderen Kunden, in eine andere Stadt gehen kann – und außerdem wurde ihr von ihrem Arbeitgeber, als sie ihm von der Schwangerschaft berichtete, eine Stelle als Teamleiterin angeboten. Konrad, ihr Mann möchte, dass sie endlich eine Familie gründen und wünscht sich ein ruhigeres Leben als bisher. Christa aber kann sich nicht vorstellen, Mutter zu sein.

Amelia, 39 Jahre, verheiratet, 6. Schwangerschafts-Woche
Sie hat gleich gespürt, dass „etwas nicht stimmt“ und möchte mit Mifegyne abtreiben, obwohl sie beide sich immer ein Kind gewünscht haben, sei jetzt „der Zug abgefahren“ und sie will nicht einmal „ansatzweise darüber nachdenken, ihren Beruf als Reiseleiterin aufzugeben“. Ihrem Mann möchte sie nichts von der Schwangerschaft sagen.

Vanessa, 31 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, 8. Schwangerschafts-Woche
Da ihr Mann in seinem Beruf als Programmierer fast nie zu Hause ist, war sie bisher eher alleinerziehend und ist genervt davon, „verheiratet zu sein und doch alles, wirklich alles, alleine bewältigen zu müssen“, ein drittes Kind ist einfach undenkbar, nicht schaffbar. Paul, ihr Mann, sagt „wenn wir weiter in unserem Haus leben und auch ab und zu in Urlaub fahren wollen, dann kann ich halt als Vater nicht zur Verfügung stehen, für das Kind ist es allemal besser, nicht auf die Welt zu kommen!

Heike, 45 Jahre, Hartmuth, 49 Jahre, verheiratet

Ihr jüngster Sohn ist 22 Jahre alt, sie hat gar nicht mehr damit gerechnet, noch einmal schwanger zu werden, sie ist nun in der 7. Woche. Vor allem hat sie seit einigen Jahren eine Tätigkeit gefunden, in der sie stundenweise arbeiten kann und möchte diese Stelle nicht mehr aufgeben, da sie hofft, daraus eines Tages eines Ganztags-Stelle zu machen. Sie und ihr Mann haben die Familienplanung abgeschlossen.

Melanie, 38 Jahre,
sie ist alleinerziehende Mutter, erhält Hartz IV, nun ist sie erneut schwanger, will auf gar keinen Fall mehr, dass ein Mann in ihrem Haushalt mit lebt. Sie will dem Kindesvater, von dessen Kinderwunsch sie weiß, nichts sagen und umgehend in eine Abtreibungsklinik.

Eva, 33 Jahre, nicht verheiratet
sie hat 3 Kinder vom 1. Lebensgefährten, jetzt ist sie erneut schwanger, der Kindesvater ist jedoch erst 16 Jahre alt. Eva sieht nüchtern, dass die ganze Welt gegen sie sein wird, weil sie doppelt so alt ist. Sie sieht keinerlei Möglichkeit, mit dieser verworrenen Situation klarzukommen und will schnellstens abtreiben.

Enisa, 22 Jahre
Sie ist noch in der Ausbildung, traditionell türkisch aufgewachsen, darf sie keinen Sex vor der Ehe haben. Nun ist sie jedoch schwanger in der 10. Woche, hinzukommt, dass der Kindesvater ein Deutscher ist. Sie will ihm nichts davon sagen, nur so schnell wie möglich abtreiben, denn es ist ganz und gar unmöglich, mit ihren Eltern zu sprechen.

Janina, 19 Jahre
sie wurde auf dem Nachhauseweg vergewaltigt und hat zu dem erlittenen Trauma auch noch die „durchdringende Angst“, dass das Kind genauso aussehen wird wie der Vergewaltiger. Mit ihren Eltern möchte sie nicht darüber reden, sie ist am Ende ihrer Kraft.

Nadine, 34 Jahre, und Stephan 36 Jahre, verheiratet
haben bereits 3 Kinder und die Familienplanung abgeschlossen. Letztes Jahr ist die Familie in ihr Eigenheim gezogen was mit 3 Kindern einen finanziellen Kraftakt bedeutet. Der Ehemann ist aus seiner Jugend noch privatversichert was für die 3 Kinder ebenso gilt und Unmengen an Arztrechnungen mit sich bringt. Es scheint gesetzlich unmöglich aus dieser Privatversicherung herauszukommen, daran hängt das Leben des 4. Kindes. 

Vanessa, 25 Jahre, und Raffael 27 Jahre, verheiratet so lange haben sie gewartet, bis endlich die richtige Zeit für eine Schwangerschaft gegeben ist: jetzt haben sie in der 8. Schwangerschaftswoche erfahren, dass das Kind möglicherweise behindert ist. Beide sind darüber entsetzt und sehr erschrocken und können sich nicht vorstellen, die Schwangerschaft fortzusetzen.

 Alle Kinder leben!